Als der Zyniker, zu dem mich das Leben gemacht hat, sage ich mal so: Ich habe eine gute und zwei schlechte Nachrichten

Für einen, der aufgrund des heutigen Datums schon weiß, dass er gemeint ist.

Die gute: Die Steuererklärung, die ich als 74-Jähriger hier in Deutschland immer noch machen muss und soll, weil ich neben meiner (kleinen) Rente, noch etwas hinzuverdiene, hat sich wahrscheinlich erledigt. 

Das ist eine sehr gute Nachricht für mich, weil es mich ungeheuer nervt, die ganzen Belege für meine Ausgaben, die ich steuermindernd zur Geltung bringen kann, zusammenzusuchen.

Gerade eben fiel mir erst nach einer halben Stunde im Bett auf, dass ich vergessen hatte, mir die Zähne zu putzen. Die Demenz, sie grüßt, hoffentlich noch von etwas weiter her, aber sie grüßt. Und es gibt keine Gnade in Deutschland, wenn ich einen Beleg vergessen habe, bin ich selber schuld. Das ist für eine immer älter werdende Gesellschaft ein Problem. (Ob das Finanzamt bei den Drogendealern und anderen Kriminellen auch so dahinter her ist, dass sie eine vollständige Steuererklärung abgeben?) Warum Deutschland sie unbedingt von seinen Rentnern braucht, ergibt sich aus dem, was unten steht. Wir haben es ja.

Die schlechte: Vielleicht habe ich Krebs. Aber immerhin, wie gesagt, das Gute daran wäre, dass mir dann die Steuererklärung erspart bliebe.

Die noch schlechtere: Auf sie komme ich, weil ich gerade Markus Lanz gesehen habe: Zum ersten Mal habe ich echt und richtig Angst vor einem Krieg in Deutschland. Ein ehemaliger General und Berater von Angela Merkel, Erich Vad, hat mir das in der Diskussion mit Herrn Kiesewetter verdeutlicht: Deutschland ist die logistische Drehscheibe für alle Militäroperationen in Europa. Willfährige Politiker in Deutschland haben dafür gesorgt. Die US-Amerikaner müssen vom deutschen Boden aus unbedingt völkerrechtswidrige Kriege führen können. Die deutschen Hilfsamerikaner barmen, sie wollen noch mehr amerikanische Truppen in Deutschland, weil „der Russe“ angeblich so gefährlich wäre und Deutschland unbedingt angreifen will.

War ihm das nicht schon einmal im Abwehrkampf gegen den deutschen Überfall gelungen? Und hat „er“ nicht freiwillig seine Truppen nach der friedlichen Revolution in der DDR wieder zurückgeführt? Ja, damals war es noch Gorbatschow, aber jetzt Putin sei viel schlimmer. General a.D. Vad hat ähnlich argumentiert, wie ich das auf dieser Seite mit Österreich getan hatte: Was wäre, wenn sich Österreich als freier, souveräner Staat, gerade so wie die Ukraine, entscheiden würde, zu einem russisch-asiatischen Wirtschaftsgebiet zu gehören? Würde es der Westen auch so einfach gehen lassen, wie dieser es von Russland in Bezug auf die Ukraine erwartet?

Der General sprach von Mexiko und Venezuela. Wenn die Interessen der USA berührt sind, marschiert sie in andere Länder genauso ein, wie das Russland mit der Ukraine getan hat. Mit den USA reden wir auch noch. Warum dann nicht mit Russland? Und die US-amerikanischen Übergriffe haben insgesamt viel mehr zivile Opfer gefordert als die russischen auf die Ukraine, wobei natürlich auch da – wie immer – jedes Opfer eins zu viel ist.

Diese Leute, die unentwegt vor einem Angriffskrieg Putins auf „Europa“ warnen, stecken in einer Schizophrenie: Einerseits sei Putin ein ganz schlimmer Kriegsverbrecher (die Ukrainer halten ihn wahrscheinlich für noch schlimmer als Hitler), dem man nicht über den Weg trauen könne. Andererseits wird er Europa nie mit Atomwaffen angreifen. Ach iwo, das sei doch nur ein Bluff, um die Deutschen von der Unterstützung der Ukraine abzuhalten. Ja, was denn nun?

Eine gedemütigte und in die Enge getriebene Großmacht nutzt jedes ihm dann noch verbliebenes Mittel, auch Atomwaffen. Das sollten wir als national entkerntes Land nicht verkennen. Kaum ein Staat auf der Welt tickt so – antinational, vor allem, wenn es die eigene ist – wie wir. Welche große Rolle der nationale Stolz für andere, „normale“ Länder, spielt, sollten wir nicht unterschätzen. Ich befürchte wie General Vad, wenn sich „Mütterchen Russland“ wirklich in seiner Existenz bedroht fühlt, schrecken die Russen auch vor dem Einsatz von Atomwaffen nicht zurück.

Und wir machen immer so weiter. „Ach iwo“, der blufft nur. Deutsche Konzerne, auch Gründerfirmen, kooperieren mit den Ukrainern bei der Drohnenherstellung. Wenn von der Ukraine aus immer mehr Drohnen zu Fernflügen tief in das russische Gebiet starten, kontert Russland. Das Elend wird immer größer. Aber auf keinen Fall verhandeln, einhundertmal schießen ist immer noch viel besser als einmal verhandeln. Das ist die neue Weisheit des Westens. Gerhard Schröder als Vermittler? Um Gotteswillen, das wird nicht einmal ernsthaft erwogen. Lieber sterben an jedem Tag weiter Hunderte Menschen auf beiden Seiten.

Dabei wäre gerade Gerhard Schröder als Vermittler gut. Es ist wahrscheinlich der einzige westliche Staatsmann, der einen Zugang zu Wladimir Putin hat. Und darum geht es erst einmal, nicht um das Verhandlungsergebnis, über das ja nicht Schröder allein bestimmt.

General Vad meinte, wenn die neue Kriegslogik ist, immer tiefer ins gegnerische Hinterland einzudringen, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis München dran ist, denn dort werden wichtige Komponenten der Drohnen hergestellt, die die Ukraine einsetzt. Macht er nicht! Putin will auch leben. Will er? In einem gedemütigten, besiegten Russland? Will er nicht. Russland hat(te) große Erfolge in der Raumfahrt (auch mit deutscher Starthilfe, fast so groß wie bei den US-Amerikanern). Ansonsten bleibt nur ein Gebiet, wo es über den Weltdurchschnitt hinaus national erfolgreich war: Es ist seit dem 1. Weltkrieg nicht mehr militärisch besiegt worden. Und das soll Putin nun plötzlich hinnehmen können und wollen?

Aber jeder Quadratzentimeter ukrainischer Boden ist heilig. Deutschland hat im Zuge des 1. Weltkrieges, den es nicht mehr begonnen hat als die anderen Großmächte auch, und des daraus folgenden 2. Weltkrieges ein Drittel seines Staatsgebietes verloren, unter anderem Ostpreußen mit Königsberg, von wo aus jetzt die Russen effektiv „Europa“ bedrohen können, weil der Westen diese Grenzverschiebung wollte.

Deutschland ist nicht nur der mit Abstand größte Ukraine-Unterstützer, militärisch und finanziell. Wir haben es ja. Es ist auch direkt am ukrainischen Kriegssystem beteiligt. Wir sichern ein Rotationsprinzip: Die ukrainischen Kämpfer erholen sich mit ihren Familien auf Kosten des deutschen Steuerzahlers hier in der Etappe in Deutschland. Sie sind Profiteure des Kriegs, ansonsten wären sie nie so schnell und so leicht in den geliebten Westen gekommen. Frisch erholt, geht es in den Kampf zurück, widerstrebend zwar, aber die nächste Rotationsrunde ist ja schon in Aussicht. Wir haben es ja.

Passen Sie auf, wählen Sie bloß nicht CDU/CSU, die SPD oder die Grünen, wenn Sie wollen, dass es in Deutschland keinen Krieg gibt. Tun Sie es (nicht), wenn schon nicht für sich, dann wenigstens für Ihre Kinder und Enkel.

Da staunen die Herrschenden in Deutschland fürbass: Sie können auch abgewählt werden, wenn sie fortwährend Politik gegen die Interessen der eigenen Nation machen. Und abgewählt hat sie dann nicht Putin, sondern das deutsche Volk.   

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