Gretchenfragen, kurz gefasst

1. Lady Gaga hat sich Verse von Rainer Maria Rilke auf ihren Oberarm tätowieren lassen, und zwar auf Deutsch.

Wenn das heute junge Menschen täten, deren Muttersprache Deutsch ist, würden die meisten von ihnen Rilke bestimmt erst ins Englische übersetzen, bevor die Nadel zur Tat schreiten darf. Denn sie sind doch nicht beengt und beschränkt gefangen in ihrem kleinen deutschen sprachlich-geistigen Zuhause, das sie mit ca. 120 Millionen Menschen teilen, sondern Teil der „freien“ und offenen Welt.

Das glauben sie wohl wirklich. Unter dem machen sie es nicht, und deshalb darf der Spruch nicht original sein, sondern muss erst transformiert werden in die für sie angesagte überlegene, „herr“-liche Sprache.

 

2. Wer sich selbst nicht liebt, schadet auch den anderen

Junge Eingebürgerte, deren Großeltern schon deutsche Staatsbürger waren, identifizieren sich immer noch primär mit der Nationalität ihrer Herkunft, sogar dann, wenn sie wie ihre Eltern und Großeltern nur die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Wie kann das sein? Demnach müsste sich Trump in den USA immer noch primär als Deutscher fühlen, aber er tut es nicht, nicht einmal sekundär, er hat zum Beispiel kein Interesse an der deutschen Sprache.

Die Deutschen lieben ihre eigene Nation nicht. Fortschrittliche Berliner deutscher Herkunft betonen zum Beispiel, dass sie Berliner seien und Europäer. Deutsche? Uninteressant, wenn überhaupt, kommt es ganz am Ende. (Zum Beispiel sieht das auch der Autor des Buches „Isch geh‘ Schulhof“ Philipp Möller so, dem ich auf dieser Webseite eine ganze Reihe gewidmet habe.) Wie sollen sich dann Hinzugekommene mit diesem Volk identifizieren, wenn es schon die nicht tun, die mit ihren Vorfahren schon immer hier waren? Das ist zu viel verlangt und zu viel erwartet!

So wundert es mich gar nicht, dass drei türkische Mädchen, die mit einer deutschen Staatsbürgerschaft in Berlin geboren wurden, stolz verkünden: „Wir sind Türkei!“ Sie seien zwar in „Dings, Deutschland [geboren] – aber wir sind trotzdem Türkei!“ „Dabei legt sie ihre dicke Hand aufs Herz“, wie es Philipp Möller beschreibt. (Siehe dort unten Punkt 3.)

Können Sie sich vorstellen, dass deutsche Kinder, die seit drei Generationen in den USA leben und die amerikanische Staatsbürgerschaft haben, stolz verkünden: „Wir sind Deutschland!“ Ich auch nicht.

Manchmal ist Bescheidenheit ein Ausdruck eines besonders verschärften Hochmutes: Wir sind was Besonderes, wir sind was Besseres, den Niederungen des Nationalen längst entwachsen. Wir sind nicht nur Exportweltmeister gewesen vor historisch sehr kurzer Zeit, sondern immer noch Moralweltmeister! Wer kann es mit uns aufnehmen? Wir sind die Besten bezüglich der Moral, und was gibt es Wichtigeres als diese?

Die Arroganz – im Wechsel mit Minderwertigkeitsgefühlen – ist den Deutschen schon immer auf die Füße gefallen. Jetzt ist wieder einmal die Arroganz dran: Am deutschen Wesen, an der  Herabsetzung des Nationalen und der maßlosen Erhöhung des „grünen“ Denkens, soll die Welt genesen, koste es die Deutschen, was es wolle. Ein kleiner Rechenfehler ist den arroganten Deutschlandverächtern dabei unterlaufen: Mit der gewollten Deindustrialisierung Deutschland sinkt nicht nur der Lebensstandard der Deutschen, vor allem durch die rasante Verteuerung des Lebensnotwendigen, sondern auch Deutschlands Netto-Beitrag zum EU-Haushalt – immer noch mehr als doppelt so hoch wie der des Zweitplatzierten Frankreich – ist zum ersten Mal deutlich gesunken. Da hört aber nun wirklich der Spaß auf, und die EU-Kommission schaut verzweifelt, wie sie die deutsche Wirtschaft, zum Beispiel durch Technologieoffenheit, wieder in Schwung bringen kann.

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