Mut, Selbst-Bewusstsein und den Stolz auf die eigene Art brauchen jeder Mensch und jede Nation, um gut durchs Leben zu kommen

Ich bin stolz darauf, dass ich wahrscheinlich und vielleicht der Einzige bin, der öffentlich von der Gründung eines Neuen Deutschen Bundes redet.

Das ist für die anglo-amerikanisch und „europäisch“ sozialisierten Deutschen völlig absurd. Mit der USA-Gläubigkeit geht’s seit Trump bergab und auch die Briten sind ja mit ihrem Festhalten daran, nicht zur EU gehören zu wollen, nicht mehr so identitätsstiftend für die „kleinen, dummen“ Deutschen, die nicht – wirklich – wissen und wissen wollen, wer und was sie selber sind.

US-Amerikaner, Briten und andere westliche Staaten machen genau das, was sie den Deutschen strikt verbieten: Nationale Politik. Sind wir wirklich so einmalig anders, so einmalig schlecht im Vergleich zu den anderen Nationen, dass nur wir dieses Recht verspielt haben?

Der Holocaust ist ja tatsächlich einmalig, das industrielle Ermorden von Millionen Menschen, Juden, darunter auch Deutschen, der leider zum Teil erfolgreiche Versuch, eine ganze große Menschengruppe, die Juden, von dieser Welt zu tilgen. Das ist so herzzerrreißend, dass die Trauer, die Wut und das Entsetzen darüber niemals diesem furchtbaren Menschheitsverbrechen gerecht werden können.

Ein Bild, das ich in einem Dokumentarfilm gesehen habe (erst kürzlich wieder), geht mir nicht aus dem Kopf: Deutsche Soldaten sammeln in Osteuropa jüdische Menschen zum Abtransport. Die Frauen werden separiert. Ein kleines Kind läuft seiner Mutter nach und wird von dem Soldaten immer wieder zurückgestoßen. Auch die Mutter versucht, zu ihrem Kind zu kommen. Ihr geht es wie diesem. Erbarmungswürdig! Ich schäme mich immer wieder, wenn ich diese Szene sehe, zu der Nation zu gehören, die solche Soldaten hervorgebracht hat.

Das ist unverzeihlich. Aber haben Soldaten anderer Nationen mit anderen Kindern und ihren Müttern, auch deutschen, nicht auch so etwas gemacht? Ich stelle mir vor, dass bei den vielen deutschen Frauen, die am Ende des 2. Weltkrieges von ihren antifaschistischen Befreiern vergewaltigt wurden, auch Kinder dabei waren, die weggestoßen wurden. Ja, jetzt wird mir „Relativierung“ und „Aufrechnung“ vorgeworfen. Aber muss der denkende Mensch nicht alles ins Verhältnis setzen, „relativieren“? Macht das die Scham über die Schandtaten „der Eigenen“ kleiner, die Entschlossenheit, so etwas nie wieder im eigenen Land zuzulassen?

Nein! Die Empathie für fremdes Leid ist sogar stärker und fester, wenn auch das eigene Leid beschrieben und genannt werden darf.

„Aber ihr, die Deutschen, habt angefangen. Ihr habt nur geerntet, was ihr gesät habt!“ So viel pausbäckig-empörte Naivität, so viel historisches Unwissen haut mich immer wieder um. Es ging bei allen Kriegen immer um die Vorherrschaft in der Welt, angefangen mit Napoleon, über die deutsch-französischen Kriege bis zum 1. Weltkrieg. An diesem waren nicht nur die Deutschen schuld, sondern alle damaligen Großmächte gleichermaßen. Sie alle wollten diesen Krieg. Das deutsche Kaiserreich war vielleicht sogar das, das ihn am ehesten noch verhindern wollte. Ich habe darüber mehrfach geschrieben, zum Beispiel hier.

Der 2. Weltkrieg hat sich dann aus dem Versailler Vertrag ergeben. Deutschland bekam die Alleinschuld am Ausbruch des 1. Weltkrieges zugeschanzt und Reparationszahlungen auferlegt, die ihm das Genick brechen mussten, die dazu führten, dass ein Extremist und Rassenfanatiker wie Hitler an die Macht kam. Damit waren auch noch andere himmelschreiende Ungerechtigkeiten verbunden. Zum Beispiel:

Nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Doppelmonarchie 1918 waren ihre Bürger in Böhmen und Mähren plötzlich tschechische Staatsbürger. In den Sudetengebieten wie zum Beispiel in Karlsbad waren sie zu fast 100 Prozent vertreten. Es gab für die große Mehrzahl von ihnen keinen Grund, tschechisch zu lernen. Fast alle Bewohner waren dort bis 1918 deutschsprachig.

Der damalige US-Präsident sprach vom Selbstbestimmungsrecht der Völker. Nur für die Deutschen sollte es nicht gelten. Ihr Wunsch nach einer Volksabstimmung, ob Böhmen und Mähren dem Deutschen Reich beitreten dürfen, wurde ignoriert. Daraus erst ergaben sich alle weiteren Spannungen, dass sich viele Deutsch-Tschechen – die zweitgrößte Volksgruppe in der „Tschechoslowakei“, noch vor den Slowaken – später von den Nazis instrumentalisieren ließen.

Zwischenzeitlich war ihnen von tschechischen Repräsentanten das Schweizer Modell versprochen worden: Mehrere Sprachgruppen, die gleichberechtigt und autonom in einem Staat zusammenleben. Die Mehrheit der Tschechen, zumindest der tschechischen Politiker, wollte das aber nicht umsetzen, obwohl sie ja „unsere Deutschen“ wie Kafka und Rilke durchaus zu würdigen wussten.

Deswegen waren Neville Chamberlain und Edouard Daladier keine Trottel, als sie im Münchener Abkommen vom 30. September 1938 der Abtretung der Sudetengebiete an das Deutsche Reich zustimmten. Damit hatte es schon seine historische Richtigkeit. Das Dumme und Verbrecherische war, dass Hitler sich nicht damit begnügen wollte. Er hat nicht national gedacht, sonst hätte er damit, mit der Rückgabe der Ostgebiete, die 1918 vom Deutschen Reich abgetrennt wurden, und mit einer gerechten Teilung von Elsass-Lothringen zwischen Frankreich und Deutschland zufrieden sein können.

Er wollte die Weltherrschaft der germanischen Rasse und die Vernichtung der Juden. Das ist in der Tat verbrecherisch und geht weit über eine nationale Politik hinaus, wie sie zum Beispiel auch der deutsche Außenminister Stresemann und der Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg vertraten.

Churchill, der britische Primärminister von 1940 – 45 meinte:

„Dieser Krieg [der 1. Weltkrieg] wäre nie ausgebrochen, wenn wir nicht unter dem Druck der Amerikaner und neumodischer Gedankengänge die Habsburger aus Österreich-Ungarn und die Hohenzollern aus Deutschland vertrieben hätten. Indem wir in diesen Ländern ein Vakuum schufen, gaben wir dem Ungeheuer Hitler die Möglichkeit, aus der Tiefe der Gosse zum leeren Thron zu kriechen. Wir hätten, wenn wir gewollt hätten, ohne einen Schuss zu tun, verhindern können, dass der Krieg ausbrach, aber wir wollten nicht.

Achtzig Millionen Deutsche, tüchtig, ehrgeizig und voller Erfindungskraft, sind eine Gefahr für uns. Denn sie sind in der Lage, uns wirtschaftlich einzuholen und damit unseren Reichtum zu vernichten.

Das unverzeihliche Verbrechen Deutschlands vor dem Zweiten Weltkrieg war der Versuch, seine Wirtschaftskraft aus dem Welthandelssystem herauszulösen und sein eigenes Austauschsystem zu schaffen, bei dem die Weltfinanz nicht mitverdienen konnte.“ (Aus seinen „Erinnerungen“)

Klarer kann ich auch nicht sagen, was ich meine. Und ich merke dabei, dass das, was ich hier vorschlage, die Gründung eines neuen Deutschen Bundes, ein ähnliches „Verbrechen“ ist wie das, was Churchill darüber beschrieben hat. Das Austreten aus dem Euro und die Wiedereinführung einer neuen starken Mark für einen Verbund von Ländern, die sich um Deutschland und Österreich gruppieren und mental und historisch mit ihm verbunden sind, wäre ein ähnlicher Affront wie der, den Churchill beschreibt. Da könnte die auf den Dollar basierende „Weltfinanz“ auch nicht mehr mitverdienen, jedenfalls nicht so viel wie beim Euro.

Summa summarum: Es geht immer noch, wie schon seit Jahrhunderten um den Wettkampf zwischen den Nationen um „einen Platz an der Sonne“? Die einmal Etablierten, der sogenannte „Westen“ mit den USA als Führungsmacht, wollen „Nachrücker“ unbedingt verhindern. Deutschland wankt und schwankt seit dem verlorenen Zweiten Weltkrieg und hat sich erstaunlicherweise trotz all der Reparationen und weiterer Gebietsamputationen wieder zur mit Abstand führenden Wirtschaftsmacht in Europa entwickelt. Ölvorkommen oder andere Bodenschätze haben wir nicht, es kann also nur an der deutschen Mentalität, am „deutschen Wesen“ liegen.

Deswegen ist es verständlich, dass im „Westen“, denen, die Deutschland klein halten wollen, die deutsche Kultur und die deutsche Sprache gegen den Strich geht. Da sind sie sehr weit gekommen, bei der Umerziehung der Deutschen. Wenn Sie heute herausfiltern wollen, bei welchen Kino- und Fernsehfilmen es sich um „deutsche“ handelt, müssen sie nur gucken, welche Filme eine englischsprachige Hintergrundmusik haben. Haben sie die, sind es „deutsche“. Oder wenn Sie wissen wollen, welches internationale Filmfestival ein deutsches ist, gucken sie nach dem, wo auf dem Podium am wenigsten Deutsch gesprochen wird. Das ist es.

China und Indien sind für den USA-Westen natürlich eine noch größere Gefahr. Aber auch die alten Großmächte Deutschland und Österreich können wieder vom Objekt des Weltenhandelns zu seinem Subjekt werden, wenn sie sich verbünden und einige wenige mental verwandte Staaten um sich sammeln und wenn sie gleichberechtigte Beziehungen zu einer anderen vom „Westen“ gedemütigten Großmacht, zu Russland, aufnehmen und die russische Kultur und Sprache nicht als minderwertig verunglimpfen, wie das der „demokratische Westen“ zumindest unterschwellig tut.

(Mit der deutschen Kultur und Sprache tut er es „oberschwellig“. Wie sonst wäre zu erklären, dass die mit Abstand größte Sprachgruppe in der EU und die Sprache der Länder, die die EU maßgeblich finanzieren, zurückgedrängt wird und dort niemals die Bedeutung von Englisch und Französisch erreichen darf.)

Der Neue Deutsche Bund kann in einer multipolaren Welt, wie sie (auch) Russland vertritt, ein kultureller Faktor werden, im Sinne der Diversität, der Bereicherung des Dominierenden. Ich sehe, zugegebener Maßen eher intuitiv als im Einzelnen wissenschaftlich begründet, sieben oder acht große wirtschaftliche und kulturelle Pole:

  • Den anglo-amerikanischen,
  • einen romanischen mit den Mittelmeerländern Frankreich, Italien und Spanien als Kern
  • einen slawischen mit Russland als Kern
  • einen chinesischen
  • einen indischen
  • einen japanischen, zusammen mit anderen westlich orientierten asiatischen Staaten
  • einen deutschen mit Deutschland und Österreich als Kernländern
  • einen skandinavischen

Gleichberechtigte Beziehungen zwischen diesen und vielleicht auch noch anderen wirtschaftlich-kulturellen Polen wären viel besser als eine übermächtige Monokultur, die der jetzige USA-dominierte „Westen“ ist.

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