(Aus unserer Rubrik: Geflügelte Worte)
Wenn ein Projekt, ein Trend, ein Plan zur Nachahmung empfohlen,
wenn sie nicht nur zum Abklatsch taugen, sondern unverhohlen
zur „Blaupause“ erklärt werden mit schwungvoller Rhetorik,
dann fragt man sich: Wie gut passt die gewählte Metaphorik?
Vom Pausen oder Pauschen hörten wir zu Hause häufig;
als eine Art Kopierverfahren war es uns geläufig.
„Die Pause ist kein Pausenraum“, dozierte unser Vater,
„man macht dort auch nicht blau oder behandelt seinen Kater.“
Der Vater war Brigadechef im Konstruktionsbüro
für Hochbauprojektierung, Sparte Wohnungsbau und Co.
Auf seinem Reißbrett wurden Plattenbauten interessant,
mit Ausziehtusche fein auf Pergamentpapier gebannt.

Zu Hunderten gepaust fungierten die robusten Bogen,
von einem braunen oder blauen Liniennetz durchzogen,
nach Chemikalien müffelnd, aber ohne viel Tamtam,
als Anleitung und Vorschrift für das Wohnungsbauprogramm.
Die Paustechnik von damals gilt inzwischen als veraltet.
Die Liebe zur seriellen Plattensiedlung ist erkaltet.
Bestand hat lediglich der aufpolierte Ausdruck Pause
und auch die Farbe Blau, da fühlt das Auge sich zu Hause.
Der Wunsch, ein Dokument zu duplizieren, ist nicht neu.
Am Anfang war die Abschrift, möglichst originalgetreu,
per Hand, mit Brief und Siegel. Kein Geschäft für reine Laien.
Das übernahmen Schreibstuben, Skriptorien und Kanzleien.
Doch mit nur einem Duplikat wars bald nicht mehr getan,
Methoden der Vervielfältigung traten auf den Plan.
Das Durchschlag- oder Blaupapier eröffnete den Reigen
der händischen Kopierwege, von maschinellen ganz zu schweigen.
Gemeinsam ist den Blaupausen der immer gleiche Nenner:
Ihr Wert hängt ab vom Original, das macht sie erst zum Renner.
Wer also heut ein top Projekt zur „Blaupause“ erklärt,
der degradiert es zur Kopie – ein Ignorant, wen das nicht stört!
